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Abschrift aus „Neue illustrierte Wochenschau“ aus 1951
Gold und Platin in der Steiermark - Der ungehobene Schatz von Pusterwald
Das Gebiet der österreichischen Alpenländer galt einst als das reichste Goldland Europas. Besonders in den hohen Tauern wurde auf dem Abhang gegen das Land Salzburg, aber auch auf deren Südseite in Kärnten Gold in grossen Mengen gewonnen, und dieser Goldbergbau lässt sich weit in die Vorzeit verfolgen und nachweisen, denn schon in einer Zeit, in welcher die Römer ihr Reich noch nicht so weit ausgedehnt hatten, wurde er betrieben.
Von einer Golderzlagerstätte in der Steiermark hingegen war noch vor wenigen Jahrzehnten nicht einmal in der wissenschaftlichen Literatur eine Aufzeichnung zu finden. Es konnte daher geradezu als Entdeckung bezeichnet werden, als vor etwa 30 Jahren der Major Leopold Lewin in der Gegend von Pusterwald alte Bergbaue auffand und bei der chemischen Analyse der dort auftretenden Arsen- und Magnetkiese ein ziemlich bedeutender Goldgehalt festgestellt werden konnte. Schon die ersten 37 Analysen ließen einen Durchschnitt von 8,65 g Gold und 44,76 g Silber in der Tonne (1000 kg) errechnen. Bald erkannten jedoch die Chemiker, dass in den Proben noch ein zweites Edelmetall enthalten sein musste, und dieses war Platin. Nun wurden 23 Muster auch auf Platin geprüft. In vier von ihnen fand man keines, bei 15 aber 1 bis 6 g/t und bei den restlichen 4 die erstaunliche Menge von 12, 25, 28 und sogar 72 g/t. Dieses Resultat war so überraschend, dass man ihm nicht trauen wollte, und so vergab man zur Kontrolle 5 weitere Proben an eine andere Untersuchungsanstalt, und diese fand darin Goldgehalte von 9, 12, 12 aber auch 69 und die enorme Menge von 436 g/t und in der gleichen Reihenfolge Platingehalte von 7, 1, 10, 0 und 6 g/t.
Seither wurden noch zahlreiche andere Analysen von Erzstufen aus dem Gebiet von Pusterwald vorgenommen, und es zeigte sich, dass Goldgehalte von 40 bis 60 g/t gar nicht so selten waren, dass dagegen die Platinführung viel unregelmässiger ist. Immerhin ließen sich aufgrund der bisherigen Untersuchungen Durchschnittswerte errechnen welche für das Gold, wenn man auch von dem ganz abnormen Spitzenwert absieht, mit 17,7 g/t und für das Platin 6,76 g/t angegeben werden kann.
Ein solcher Durchschnitt an Goldführung übertrifft jedoch jenen der reichsten Goldfelder der Erde, nämlich in Südafrika und Australien, ganz bedeutend und lässt sich nur mit jenem von Boliden in Schweden vergleichen, wobei nicht vergessen werden darf, dass diesen Lagerstätten ein Platingehalt vollständig fehlt, hier jedoch in beachtenswerter Höhe nachgewiesen wurde.
Man kann daher sagen, dass eine Lagerstätte, auf welcher Gold und Platin gemeinsam, und zwar nicht nur in abbauwürdiger, sondern sogar in reichlicher Menge aufzutreten scheinen, hier erstmalig gefunden wurde.
Das Gebiet dieser Gold-Reicherze ist auf mehrere Quadratkilometer ausgedehnt und durch die Lagerung von Freischürfen bergrechtlich gesichert. Ausserdem wurden aber auf Grund von Schurfarbeiten in den letzten 30 Jahren auch bereits 20 Grubenmassen freigefahren und verliehen und dadurch die "Bauwürdigkeit" dieser Erzvorkommen von der Bergbehörde anerkannt und bestätigt.
Unter solchen Umständen fragt man sich : Wie kommt es doch, dass dort noch kein blühender Goldbergbau besteht ? Die Erklärung ist nicht schwer : Die Initiative im Bergbau liegt so gut wie immer in kapitalschwachen Händen. Solchen gelingt es zwar, die ersten Schritte zu tun und die Bauwürdigkeit einer Lagerstätte nachzuweisen, dann aber, wenn es einmal heisst Seilbahnen zu bauen, eine moderne Aufbereitungsanlage er errichten usw., sind sie am Ende ihrer Kräfte und müssen sich damit begnügen, wenigstens das bisher Erreichte zu bewahren. Weiter Hindernisse waren der unselige Krieg und die Schwierigkeiten der Nachkriegszeit, die Überbeanspruchung der öffentlichen Hand nach allen Seiten und die Vorsicht des ausländischen Kapitals gegenüber einem Österreich ohne Staatsvertrag – und so kommt es, dass dort, in der Gegend von Pusterwald, noch immer kein blühender Bergbau besteht, obgleich diese Lagerstätte als ungemein aussichtsreich bezeichnet werden muss, da sie nicht nur Gold, Platin und Silber in reichlichen Mengen enthalten durfte, sondern gleichzeitig auch noch Kupfer, Kobalt, Schwefel und Arsen als Nebenprodukte gewonnen werden könnten.
Pusterwald ist ein Dorf mit etwa 800 Einwohnern, das in 1072 m Seehöhe liegt und vom Murtal aus, von Thalheim oberhalb Judenburg, auf guter Autostrasse in 25 Kilometer Entfernung zu erreichen ist. Unweit des Dorfes beginnen bereits die Erzgänge und steigen bis in die Berggipfel auf, doch braucht die Höhenlage durchaus nicht abzuschrecken. Wasserkräfte können dort zur Genüge und verhältnismässig billig ausgebaut werden, und die herrlichen Wälder der Umgebung liefern Grubenholz. So bestehen alle Bedingungen, um einen Bergbau hier aussichtsreich erscheinen zu lassen – und es fehlt nur eines : Kapital !
Hofrat Oberbergrat Dr. Lukas Waagen,
Chefgeologe der Geologischen Bundesanstalt a. D.
Siehe auch
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